Wohnen für ein langes Leben – Die Antwort der Wohnungswirtschaft auf die demografische Entwicklung in Deutschland

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GdW-Pressemeldungen

  • GdW-Forum "Wohnen für ein langes Leben" im Rahmen des Zukunftsforums Langes Leben 2010 in Berlin
  • Neue Internetplattform präsentiert Möglichkeiten und Angebote des Wohnen für ein langes Leben
  • Bereits 300.000 Wohnungen der GdW-Unternehmen barrierefrei oder barrierearm
  • Demografische Entwicklung zeigt weiterhin großen Handlungsbedarf

Berlin – Deutschlands Bevölkerung wird immer älter. Nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2020 rund 25 Prozent der Deutschen das 65. Lebensjahr erreicht haben, im Jahr 2050 werden elf Prozent der Deutschen 80 Jahre und älter sein. "Aber: 93 Prozent der über 65-Jährigen leben in ihrer angestammten Wohnung und wollen nicht in ein Heim", erklärte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen anlässlich des GdW-Forums "Wohnen für ein langes Leben", das heute im Rahmen des Zukunftsforums Langes Leben 2010 in Berlin stattfindet.

"Wohnen für ein langes Leben" ist die strategische Antwort der Wohnungswirtschaft auf die demografische Entwicklung sowie die zunehmende Differenzierung in der Gesellschaft mit ihren vielfältigen Auswirkungen auf die Wohnraumnachfrage. Wohnungsunternehmen sind damit auf drei Handlungsfeldern aktiv: Umbauten im Bestand für ein barrierearmes Wohnen, ergänzende technische Ausstattung für mehr Wohnkomfort sowie zielgruppenorientierte personenbezogene Services. Damit soll älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den vertrauten vier Wänden und gleichzeitig Bewohnern aller Altersklassen ein bedarfsgerechtes Wohnungs- und Serviceangebot ermöglicht werden. Das "Vernetzte Wohnen" spielt dabei als sinnvolle Verbindung von Technik und personenbezogenen Services eine herausragende Rolle. Die vom GdW und seinen Regionalverbänden vertretenen Wohnungsunternehmen sind Impulsgeber auf dem Gebiet des Wohnens für ein langes Leben. Mit der Website www.wohnenfuereinlangesleben.de hat der GdW eine eigene Informationsplattform geschaffen, auf der sich Verbände, Wohnungsunternehmen und Interessierte über die neuesten Entwicklungen informieren können.

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informierte sich bei ihrem Besuch auf dem Stand des GdW.  "Mehr und mehr Wohnungsunternehmen stellen sich auf eine Gesellschaft des langen Lebens ein: mit barrierefreien und barrierearmen Wohnungen, mit Unterstützung durch Technik und Serviceleistungen. www.wohnenfuereinlangesleben.de informiert über Trends und Möglichkeiten und zeigt, was es wo schon gibt. Das begrüße ich sehr", erklärte die Familienministerin.

Der GdW präsentierte auf dem Forum die Ergebnisse einer sozial-empirischen Befragung bei den 3.000 Wohnungsunternehmen seiner Regionalverbände. Danach sind bereits rund 5 Prozent der GdW-Wohnungen barrierearm oder barrierefrei modernisiert. "Das sind rund 300.000 Wohnungen und damit fast doppelt so viele wie noch in 2006", begrüßte der GdW-Präsident die Entwicklung. Bundesweit leben nach einer Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) rund 550.000 Seniorenhaushalte in barrierefreien und –armen Wohnungen. Das entspricht 1,4 Prozent aller Wohnungen in Deutschland.

Bei den barrierearmen Wohnungen, also Wohnungen, die als weitgehend barrierefrei und/oder behindertengerecht angesehen werden können, lag der Schwerpunkt der baulichen Maßnahmen bei den GdW-Unternehmen auf den Anpassungen des Gebäude- und Wohnungszugangs, wie z. B. durch den Anbau eines Aufzuges, verbreiterte Wohnungseingangstüren oder den Abbau von Schwellen. Aber auch Umbauten des Sanitärraums oder haustechnische Maßnahmen wurden häufig vorgenommen.

"Dennoch zeigt die demografische Entwicklung deutlich: Es gibt noch großen Handlungsbedarf", so Freitag. Der GdW-Präsident lobte das KfW-Programm "Altersgerecht umbauen" als ausgesprochen wirksam und wichtig. "Über die Hälfte der zugesagten Fördermittel entfällt auf unsere Unternehmen", so Freitag. Denn gerade im Wohnungsbestand sei die Realisierung von Maßnahmen zum altersgerechten Wohnen besonders teuer. Gegenüber einer klassischen Sanierung gehe der Bericht der Expertenkommission "Wohnen im Alter" des Deutschen Verbandes für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau e.V. - unter Beteiligung des GdW - allein für die altersgerechte Gestaltung einer Wohnung von einem Mehraufwand von knapp 4.800 Euro aus. Diese Investition kann angesichts sinkender Alterseinkommen und in vielen Regionen zunehmender Leerstände flächendeckend nur mithilfe einer öffentlichen Förderung realisiert werden. Es sei daher sachgerecht, dass das KfW-Förderprogramm "Altersgerecht umbauen" auf eine Barrierereduzierung und nicht auf eine im Bestand weitgehend nicht herstellbare oder unwirtschaftliche Barrierefreiheit ziele. "Es ist dringend notwendig, das Programm "Altersgerecht umbauen" auf hohem Niveau zu verstetigen und über das Jahr 2011 hinaus fortzuführen", so Freitag. Im Hinblick auf die neuen Anforderungen des vernetzten Wohnens sollten dabei beispielsweise künftig neben Kippschaltern auch berührungslose Schalter förderfähig sein.

Gleichzeitig appellierte der GdW-Präsident an Politik und Gesundheitswesen, die Umsetzung der Angebote des Wohnens für ein langes Leben durch geeignete Rahmenbedingungen noch stärker zu unterstützen. So hoffe der GdW, dass es der Bundesregierung gelänge, die vielfältigen Maßnahmen der jeweiligen Ministerien besser untereinander abzustimmen. Telemedizinische Anwendungen sollten in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen werden. "Die Etablierung von Wohnung und Wohnquartier als ein zusätzlicher Gesundheitsstandort erspart älteren Menschen nicht nur lange Wege, sondern führt auch zu insgesamt geringeren Kosten in der Gesundheitsversorgung", so Freitag. Zudem seien die Bundesländer dringend aufgefordert, durch eine vernünftige Heimgesetzgebung auf ihrer Ebene zu verhindern, dass die auf Bundesebene ausgeräumten Hemmnisse für die Realisierung des betreuten Wohnens durch eigene ordnungsrechtliche Vorschriften wieder eingeführt werden.

Die höchste Bedeutung kommt der direkten sozialen Betreuung zu. Wie eine GdW-Untersuchung zeige, sei die Bereitschaft zum Ehrenamt und zur Nachbarschaftshilfe zum Beispiel bei Wohnungsgenossenschaften und Mietern von Wohnungsgesellschaften stark ausgeprägt. "Dies ist auch gesamtwirtschaftlich unverzichtbar, da viele Dienstleistungen ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer weder finanzierbar noch realisierbar sind", so Freitag. Wer die soziale Betreuung in den Mittelpunkt stellen wolle, müsse das ehrenamtliche Engagement stärken und fördern.